Basteln mit Dreijährigen für soziale Kompetenzen – einfache Projekte, die wirklich funktionieren

Altersgerechte Bastelideen, die Kleinkindern helfen, das Teilen, das Abwechseln und das Miteinander zu lernen

Dreijährige Kinder beim einfachen Basteln, das soziale Kompetenzen fördert

Dreijährige entdecken etwas Wunderbares: andere Menschen.

Sie halten vielleicht lange einen Buntstift fest und schenken dann plötzlich jemandem, den sie gerade erst kennengelernt haben, ihr Lieblingsspielzeug. Sie sind vielleicht traurig, weil eine Freundin auf ihr Papier geschaut hat, und kichern fünf Minuten später gemeinsam.

Das ist keine Verwirrung, sondern Übung. Mit drei Jahren beginnen Kinder zu verstehen, dass andere Menschen eigene Gefühle und Wünsche haben. Der Drang zu greifen, etwas sofort haben zu wollen, der oder die Erste zu sein, das ist zutiefst menschlich. Er verschwindet nicht, wenn wir älter werden. Es geht dann nur um mehr.

Das Schöne am dritten Lebensjahr ist, dass man in kleinen, geschützten Momenten üben kann. Bastelaktivitäten schaffen genau solche Momente.

6 einfache Bastelideen für Dreijährige


1. Das erste gemeinsame Material

Bunte Papierformen und Schnipsel auf weißes Papier geklebt, ein Collagen-Bastelprojekt für Kleinkinder

Die grundlegendste soziale Herausforderung: Alle wollen dasselbe zur selben Zeit. Wir legen dafür einen einzigen Klebestift in die Mitte. Mit drei Jahren ist der Drang zu greifen stark. Erwachsene können sogar sagen "Lasst uns warten" und zusehen, wie schwer es den Kindern fällt, sich zurückzuhalten. Das zeigt etwas Wahres darüber, wie wir alle gemacht sind.

Material: Papier, Dinge zum Aufkleben (Schnipsel, Sticker), ein Klebestift

Soziale und emotionale Herausforderungen:

  • Mehrere Hände greifen gleichzeitig nach dem Kleber. "Viele wollen ihn haben. Was könnten wir tun?"
  • Ein Kind reißt einem anderen den Kleber aus der Hand. Hier innehalten und es ansprechen: "Du hast ihn genommen, während sie ihn benutzt hat. Wie glaubst du, fühlt sie sich?"
  • Jemand hält den Kleber zu lange fest. "Die anderen warten. Kannst du deine Klebe-Runde zu Ende bringen?"
  • Erwachsene können anfangen: "Lasst uns warten, bevor jemand den Kleber anfasst." Schaut, wem es schwerfällt, sich zurückzuhalten, und übt dann gemeinsam.

2. Das Aushandeln der Glitzer-Sticker

Mit bunten Glitzer-Stickern verziertes Papier, darunter holografische Kreise und Glitzersterne

Dreijährige lieben Sticker. Wir legen absichtlich weniger "besondere" dazu, als Kinder mitmachen. Wenn zwei denselben Glitzer-Sticker entdecken, erleben sie konkurrierende Wünsche in Echtzeit. Das Aushandeln ist die eigentliche Aktivität. Dreijährige brauchen Zeit, also wartet, bis sie es selbst lösen.

Material: Papier, Stickerbögen (mit ein paar "besonderen" Glitzer-Stickern, weniger als Kinder dabei sind)

Soziale und emotionale Herausforderungen:

  • Zwei Kinder wollen denselben Glitzer-Sticker. "Ihr habt beide diesen einen entdeckt. Was könntet ihr tun?" Wartet. Lasst sie nachdenken.
  • Jemand nimmt einen Sticker, nach dem ein anderes Kind zuerst gegriffen hat. "Sie hat nach diesem gegriffen. Wie glaubst du, fühlt sie sich?"
  • Jemand ist traurig, dass keine Glitzer-Sticker mehr übrig sind. Lasst das Gefühl da sein. "Du bist enttäuscht. Die Glitzer-Sticker sind weg. Welcher andere gefällt dir?"
  • Ein Kind schenkt einem anderen einen besonderen Sticker. Sprecht es an: "Du hast den geteilt. Wie hat sich das angefühlt?"

3. Das teilbare Material

Bunte Knet-Kreationen – Sterne, Herzen, Kugeln und Formen, mit Ausstechern gemacht

Knete ist nachgiebig: Sie lässt sich teilen, zusammenfügen, tauschen. Wir beginnen mit einer großen Kugel in der Mitte. Wir teilen sie nicht im Voraus auf. Das Aufteilen finden die Kinder selbst heraus. Das Hin und Her des Teilens wird ganz selbstverständlich, wenn das Material das Teilen überhaupt erst möglich macht.

Material: Knete, einfache Werkzeuge (Plastikmesser, Ausstecher)

Soziale und emotionale Herausforderungen:

  • Die Kinder müssen die Knete selbst aufteilen. Schaut zu, wie sie verhandeln: Wer nimmt zuerst? Wie viel?
  • Jemand nimmt mehr als seinen Anteil. "Schau mal, wie viel jeder hat. Ist das gerecht?"
  • Jemand will mehr. "Es sieht so aus, als hättest du gern mehr. Wer hat etwas übrig zum Teilen?"
  • Jemand will den Ausstecher nicht abgeben. "Sie möchte auch mal dran sein. Du hattest ihn jetzt schon eine Weile."
  • Jemand mischt seine Knete ungefragt mit der eines anderen. "Du hast deine Knete mit ihrer vermischt. Hast du vorher gefragt?"

4. Die sich treffenden Zeichnungen

Gemeinsame Kreidezeichnung von Kleinkindern mit bunten Kritzeleien und Formen, die sich treffen und überlappen

Mit drei Jahren sind Kinder noch nicht bereit für echte Zusammenarbeit. Aber sie können nebeneinander an etwas Gemeinsamem arbeiten. Wir machen das Papier kleiner, als bequem wäre, damit sich die Zeichnungen treffen. Das ist so gewollt. Hier beginnt das Teilen von Raum.

Material: Großes Papier oder zusammengeklebte Bögen, dicke Buntstifte

Soziale und emotionale Herausforderungen:

  • Jemand zeichnet in den Bereich eines anderen hinein. "Eure Zeichnungen treffen sich. Was könnten wir tun?"
  • Jemandem gefällt nicht, was ein anderes Kind nahe an seiner Arbeit gemalt hat. "Er hat auf meinen Teil gemalt!" Lasst das Gefühl da sein: "Du bist verärgert. Welcher Teil gefällt dir noch?"
  • Zwei Kinder wollen denselben Buntstift. Habt absichtlich nur einen pro Farbe. "Ihr wollt beide den roten. Was könntet ihr tun?"
  • Jemand kritzelt in die Zeichnung eines anderen. Sprecht es direkt an: "Das war ihre Arbeit. Wie glaubst du, fühlt sie sich?"

5. Die gemeinsamen Farbbecher

Stempeln mit Wattebäuschen, bunte Punkte in Rot, Blau, Gelb und Grün auf weißem Papier

Ein Becher pro beliebter Farbe, in die Mitte gestellt. Das Abwechseln wird notwendig, nicht optional. Und die Wäscheklammern sind für kleine Hände knifflig, sodass um Hilfe zu bitten selbst eine soziale Kompetenz ist, die wir üben.

Material: Wattebäusche, Wäscheklammern, abwaschbare Farbe (ein Becher pro Farbe), Papier

Soziale und emotionale Herausforderungen:

  • Zwei Kinder greifen nach demselben Farbbecher. "Ihr seid beide bereit für das Rot. Wer fängt an? Wer ist als Nächstes dran?"
  • Jemand hält einen Farbbecher zu lange fest. "Die anderen warten auf das Blau."
  • Jemandes Wattebausch berührt aus Versehen das Papier eines anderen. "Das war ein Versehen. Was könntest du sagen?"
  • Ein Kind braucht Hilfe mit der Wäscheklammer. Erwachsene können warten und sie um Hilfe bitten lassen, statt gleich einzuspringen.
  • Jemand mischt Farben in einem Becher. "Jetzt sieht das Gelb anders aus. Wie finden das die anderen?"

6. Freundschafts-Malvorlage

Eine Freundschafts-Malvorlage mit einem Einhorn und einem Hasen, die gemeinsam etwas erschaffen, perfekt für Dreijährige

Hier findest du die Aktivität: Einhorn-und-Hase-Freundschafts-Malvorlage →

Malvorlagen sind ideal für Dreijährige: einfach, beruhigend und leicht gemeinsam zu machen. Druckt eine Freundschafts-Malvorlage aus und lasst die Kinder nebeneinander ausmalen. Mit drei Jahren ist es schon eine soziale Kompetenz, neben jemandem zu arbeiten. Wenn sie fertig sind, können sie das Bild einer Freundin oder einem Freund schenken.

Material: Ausgedruckte Malvorlage, dicke Buntstifte

Soziale und emotionale Herausforderungen:

  • Zwei Kinder wollen denselben Buntstift. "Ihr wollt beide den rosa. Was könntet ihr tun?"
  • Jemand malt auf eine unerwartete Weise. "Er hat den Hasen grün gemalt!" Lasst es so sein. "Es gibt viele Arten, etwas auszumalen."
  • Jemand ist schnell fertig und will gehen. "Deine Freundin arbeitet noch. Was könntest du tun, während sie fertig wird?"
  • Zum Schluss: "Wem möchtest du das gern schenken?" Übt, daran zu denken, jemand anderem eine Freude zu machen.

Warum diese Übung gerade jetzt wichtig ist

Veränderung fällt mit dem Alter schwerer. Neuronale Bahnen werden tiefer. Muster werden fester. Was sich mit vierzig anfühlt wie "so bin ich eben", war mit vier einmal ein Moment der Übung.

Diese kleinen Bastelmomente, ein einziger Klebestift in der Mitte, ein Glitzer-Sticker, den zwei Kinder wollen, sind Übung für alles, was später kommt. Die Situationen ändern sich. Die zugrunde liegenden Impulse nicht.

Das Basteln ist nur der Rahmen. Die eigentliche Arbeit besteht darin, Kindern zu helfen, den Impuls zu erleben, ihn ganz zu fühlen und einen anderen Weg zu finden.

Meine Dreijährige lernt noch. Gestern sagte sie zu ihrer Freundin: "Du darfst meine Sticker anschauen, aber frag mich erst, bevor du einen nimmst."

Ist das perfektes Teilen? Nicht ganz. Aber sie findet ihren Weg. Sie lernt, dass sie Grenzen setzen und trotzdem freundlich sein kann. Das ist die Übung.