Es hat etwas Besonderes, Kindern beim gemeinsamen Gestalten zuzusehen.
Zwei kleine Hände, die nach demselben Stift greifen. Drei verschiedene Vorstellungen davon, wohin die Augen gehören. Ein Moment der Stille, wenn jemand verletzt ist.
Diese Momente sehen vielleicht aus wie Störungen des Bastelprojekts. Aber in Wahrheit sind sie das Projekt.
Bastelaktivitäten schaffen geschützte Situationen, in denen Kinder etwas zutiefst Menschliches üben können: zusammen zu sein, wenn alle gleichzeitig etwas wollen. Diese Impulse verschwinden nicht, wenn wir älter werden. Es steht dann nur mehr auf dem Spiel. Das Geschenk der Kindheit besteht darin, sichere, kleine Momente zum Üben zu haben.
7 Bastelideen zur Zusammenarbeit für Kindergartenkinder
1. Gemeinsam Limonade machen
Hier findest du die Aktivität: Gemeinsam Limonade machen →
Gemeinsam Limonade zu machen ist ein köstlicher Weg, Zusammenarbeit zu üben. Jedes Kind hat eine Aufgabe: Zitronen auspressen, Zucker abmessen, rühren, eingießen. Das Ergebnis gehört allen, also wird auch jede Entscheidung auf dem Weg dorthin gemeinsam getroffen. Und am Ende? Dürft ihr trinken, was ihr zusammen gemacht habt.
Material: Zitronen, Zucker, Wasser, ein Topf, Löffel, ein Krug
Soziale und emotionale Herausforderungen:
- Wer darf die Zitronen auspressen? Wer rührt? „Jedes Kind kommt dran. Welche Aufgabe möchtest du zuerst machen?"
- Jemand gibt zu viel Zucker hinein. „Jetzt ist sie sehr süß. Wie finden das die anderen? Was könnten wir tun?"
- Jemand will probieren, bevor die Limonade fertig ist. „Wir haben sie alle zusammen gemacht. Lass uns gemeinsam probieren, wenn sie fertig ist."
- Die Limonade schmeckt nicht genau so, wie sich jemand das vorgestellt hat. „Sie ist anders, als du erwartet hast. Was magst du an ihr?"
2. Die gemeinsame Leinwand

Wir machen das Papier absichtlich kleiner, als es bequem wäre. Das erzwingt genau das, was wir eigentlich üben: zwei Ideen, die im selben Raum nebeneinander bestehen müssen. Das Basteln ist nur Papier und Buntstifte. Der eigentliche Plan ist der vorhersehbare Konflikt.
Material: Großes Papier (Packpapier eignet sich gut), Buntstifte, Klebeband
Soziale und emotionale Herausforderungen:
- Jemand malt in den Bereich eines anderen Kindes hinein. „Eure Zeichnungen begegnen sich. Was könnten wir tun?"
- Zwei Kinder wollen dieselbe Ecke oder denselben Platz. Erwachsene können das herbeiführen, indem sie das Papier kleiner machen.
- Jemandem gefällt nicht, was ein anderes Kind in der Nähe seiner Arbeit gemalt hat. „Er hat es kaputt gemacht!" Lass das Gefühl da sein: „Du bist verärgert. Welcher Teil gefällt dir noch?"
3. Die Loslass-Zeichnung

Diese Aktivität dreht sich rund um den Kontrollverlust. Deine Zeichnung, das, was du begonnen hast, wird von jemand anderem verändert. Wir sagen das von Anfang an: „Dein Bild wird zu etwas Überraschendem." Eine Übung für jede Zusammenarbeit, die danach kommt.
Material: Papier, Buntstifte, ein Timer
Soziale und emotionale Herausforderungen:
- Jemand will seine Zeichnung nicht weitergeben. „Aber ich bin noch nicht fertig!" Der Timer hilft: „Wenn die Glocke klingelt, geben wir alle zusammen weiter."
- Jemand ist verärgert, wenn seine Zeichnung verändert zurückkommt. „Sie hat es vermurkst!" Lass das Gefühl da sein. Dann: „Was gefällt dir an dem, was daraus geworden ist?"
- Jemand malt absichtlich etwas „Falsches" auf das Blatt eines anderen Kindes. Sprich es direkt an: „Das war nicht nett. Was könntest du malen, das ihr Bild ergänzt?"
4. Die eine Ressource

Wir legen absichtlich nur einen Klebestift in die Mitte. Alle werden ihn gleichzeitig haben wollen, genau so ist es gedacht. Das Basteln ist Nebensache. Die geteilte Ressource ist der Kern. Erwachsene können sogar sagen „Lasst uns warten, bevor ihn jemand anfasst" und zusehen, wie die Hände sich kaum zurückhalten können.
Material: Papier, Dinge zum Aufkleben (Schnipsel, Sticker usw.), ein Klebestift
Soziale und emotionale Herausforderungen:
- Mehrere Hände greifen gleichzeitig nach dem Kleber. „Viele wollen ihn haben. Was könnten wir tun?" Lass die Kinder Lösungen vorschlagen.
- Jemand hält den Kleber zu lange fest. Die anderen werden ungeduldig. „Du hast ihn schon eine Weile. Die anderen warten."
- Jemand reißt ihn einem anderen Kind weg. Halt inne und sprich es an: „Du hast ihn ihr aus der Hand genommen. Wie fühlt sie sich wohl? Was könntest du anders machen?"
5. Die Hand-in-Hand-Handpuppe

Diese Puppe braucht zwei Personen. Eine hält, eine klebt. Allein geht es nicht. Die Kinder erleben, wie es ist, jemand anderen zu brauchen, und am Ende hat jedes seine eigene Puppe, die mit Hilfe entstanden ist. Das ist die Lektion, die im Aufbau steckt.
Material: Papiertüten, Stifte, Wolle, Klebstoff
Soziale und emotionale Herausforderungen:
- Jemand will es allein machen. „Ich kann das selbst!" Die Antwort: „Diese Puppe braucht zwei. Eine hält, eine klebt."
- Die Partner sind sich uneinig, wie die Puppe aussehen soll. „Ich will blaue Augen!" „Nein, grüne!" Frag: „Wessen Puppe ist diese hier? Dann entscheidet er oder sie. Und für deine entscheidest du."
- Ein Partner hilft nicht oder passt nicht auf. „Dein Freund wartet darauf, dass du sie ruhig hältst."
- Rege Dankbarkeit an: „Dein Freund hat dir geholfen. Was könntest du ihm sagen?"
6. Die Stadt der verschiedenen Ideen

Ein lila Krankenhaus. Eine Schule mit einer Tür auf dem Dach. Verschiedene Ideen nebeneinander machen die Stadt interessanter, genau darum geht es. Jedes Kind steuert sein eigenes Gebäude zu einer gemeinsamen Welt bei.
Material: Kleine Pappkartons, Tonpapier, Stifte
Soziale und emotionale Herausforderungen:
- Zwei Gebäude wollen denselben Platz. „Zwei Gebäude wollen an denselben Ort. Was könnten wir tun?"
- Jemand sagt, ein anderes Gebäude sei „falsch". „Das ist kein echtes Krankenhaus!" Frag: „Hast du schon jedes Gebäude der Welt gesehen? Es gibt alle möglichen."
- Jemand will sein Gebäude nicht neben dem eines anderen Kindes haben. „Ich will mein Haus nicht in der Nähe von seinem." Die Stadt braucht alle Gebäude. Wohin sonst könnte es?
- Jemand will eine Straße bauen, aber sie würde durch den Bereich eines anderen Kindes führen. Übt, um Erlaubnis zu fragen.
7. Das Projekt mit dem langen Atem

Das ist keine einzelne Aktivität, sondern viele gemeinsame Treffen, bei denen man Dinge miteinander durcharbeitet. Der längere Bogen bedeutet mehr Übung, mehr Momente, mehr Gelegenheiten, Herausforderungen zu bewältigen. Das ist der Kern unseres Kurses: ein Projekt, in das Momente der Konfliktlösung eingebaut sind.
Material: Pappkartons, Papier, Stifte, Stoffreste
Soziale und emotionale Herausforderungen:
- Wessen Geschichtenidee nehmen wir? „Ihr habt beide Ideen. Wie könnten wir beide einbauen?"
- Wer bekommt welche Figur? Wer spielt zuerst? Jede Entscheidung ist eine Gelegenheit zum Üben.
- Jemand will etwas ändern, das schon gemeinsam beschlossen wurde. Wie gehen wir damit um?
- Die Vorstellung läuft nicht wie geplant. Etwas fällt um, jemand vergisst seinen Text. Übt Flexibilität.
Das ist das Projekt im Herzen unseres Kurses. Die erste Lektion ist kostenlos, falls du eine Schritt-für-Schritt-Anleitung möchtest.
Warum diese Übung wichtig ist
Der Impuls, sich zu schnappen, was wir wollen, der Erste zu sein, das beste Stück zu haben: Der verschwindet nicht, wenn wir älter werden. Er wird nur komplizierter. Es steht mehr auf dem Spiel. Und es wird schwerer, ihn bei uns selbst zu erkennen.
Was nachlässt, ist unsere Fähigkeit, uns zu verändern. Verhaltensmuster werden mit dem Alter starrer. Die Nervenbahnen graben sich tiefer ein.
Die Kindheit ist das Zeitfenster. Diese kleinen Momente, ein Klebestift, ein besonderer Platz, ein Mal nach dem anderen, sind Übung für alles, was später kommt.
Das Basteln ist nur das Gefäß. Die eigentliche Arbeit ist das, was zwischen Menschen passiert.

